Funktionerhalt durch CMD - Behandlung

Definition: Kraniomandibuläre Dysfunktion (Craniomandibuläre Dysfunktion, CMD) ist ein Überbegriff für strukturelle, funktionelle, biochemische und psychische Fehlregulationen der Muskel- oder Gelenkfunktion der Kiefergelenke. Diese Fehlregulationen können schmerzhaft sein, müssen es aber nicht. "CMD" lässt sich nicht unbedingt durch Schmerzen erkennen, es kann sich auch durch Schwindelgefühle, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Panikattacken (Herzrasen) und Stress im Alltag bemerkbar machen. Die Kraniomandibuläre Dysfunktion wird deshalb in manchen Fällen durchaus auch als Ursache und Folge von Stress betrachtet. Eine Vielzahl von Symptomen kann die Diagnose schwierig machen. Häufig schmerzen die Kiefermuskulatur oder die Kiefergelenke beim Kauen. Andere Symptome können sein: o Eingeschränkte Kieferöffnung o Knacken oder Reiben der Kiefergelenke beim Öffnen oder Schließen der Kiefer o Ausstrahlende Schmerzen in Zähnen, Mund, Gesicht, Kopf, Nacken, Schulter oder Rücken o Hals-Wirbelsäulen-Schulterprobleme o Eingeschränkte Kopfdrehung, Kopfschmerzen o Plötzlich auftretende Probleme mit der Passung der Zähne aufeinander o Unangenehme Ohrenschmerzen o Tinnitus o Schwindel o Herzrhythmusstörungen o Brustschmerzen (Stechen in der Brust, verursacht durch Verspannungen im Rücken) o Schluckbeschwerden o Augen/Seheinschränkung o Migräne Vorkommen: Die Angaben in der Literatur schwanken sehr. In Deutschland zeigen zirka 50% der Bevölkerung eines oder mehrere der oben genannten Symptome. Davon werden aber nur ungefähr 3-10% als behandlungsbedürftig eingeschätzt. Frauen sind in allen Studien häufiger betroffen, bisweilen doppelt bis dreimal so häufig. 10% der von CMD Betroffenen entwickeln schwerwiegende chronische Symptome, welche die Lebensqualität enorm beeinflussen können. Risikofaktoren: Strukturelle Risikofaktoren: Anatomsiche und künstlich implantierte Strukturen (angeborene Defekte, Neoplasien und Zahnfehlstellungen) könne das Kiefergelenk beeinflussen und z.B. zu Okklusionsstörungen (Fehlerhafter Schluss des Gebisses) führen. Traumatische Risikofaktoren: Ein direktes Trauma (Schlag, Sturz, o.ä.) auf den Kiefer, den Kopf oder das Gesicht kann die anatomischen Strukturen verletzen oder überlasten. Ebenso können lang andauernde kieferorthopädische oder zahnärztliche Eingriffe die Muskulatur oder das Kiefergelenk traumatisieren. Auch bei einem Schleudertrauma sind Strukturen des Kiefergelenks betroffen. Das Risiko, infolge eines Schleudertraumas eine CMD zu entwickeln, liegt bei 23%. Funktionelle Risikofaktoren: Die Koordinationfähigkeit der Kiefermuskulatur, also das Zusammenspiel zwischen Nervensystem und Bewegungssystem, kann funktionell gestört sein. Die funktionelle Abhängigkeit der Kopfposition von der Gesamthaltung des Körpers hat auch einen Einfluss auf das Kiefergelenk. So haben Tonusänderungen der Nackenmuskulatur, beispielsweise beim Schleudertrauma, aufgrund einer myofaszialen Kontinuität (reaktive Muskel- und Faszienketten) Einfluss auf die Kiefermuskulatur. Zusätzlich sind Beschwerden in anderen Körperbereichen ein Risikofaktor. So ist z.B. bei Vorliegen eines unteren Rückenschmerzes die Wahrscheinlichkeit, eine CMD zu entwickeln, um 50% erhöht. Psychologische Risikofaktoren: Disstress spielt eine große Rolle bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung einer CMD. Bei psychischer Anspannung steigt die Aktivität der Kiefer-, Augen- und Nackenmuskulatur sehr schnell an. Außerdem wird der Gesamtorganismus, vor allem das Immunsystem, durch anhaltenden Stress geschwächt, was dazu führen kann, das bisher kompensierte Schwachstellen des Körpers auffällig werden. Des Weiteren weisen Studien auf eine deutliche Korrelation von Depressionen und CMD hin. Systemische / metabolische Risikofaktoren: Den gesamten Organismus betreffende Erkrankungen können auch den Kieferkomplex beeinflussen. Dies kann z.B. bei rheumatoider Arthritis, Spondylitis ankylosans, reaktiver Arthritis (Reiter-Krankheit), neurologischen Erkrankungen, Störungen von Stoffwechselprozessen (Diabetes mellitus, Gicht) oder Infektionen der Fall sein. Hormonelle Risikofaktoren: Viele Studien betonen den Einfluss des Hormonhaushaltes auf eine CMD. Insbesondere betrifft dies weibliche Hormone, da der Frauenanteil im Vorkommen stark erhöht ist.So ist bei Vorliegen eines genitalen Schmerzsyndroms die Wahrscheinlichkeit, eine CMD zu entwickeln, um 75% erhöht. Außerdem reduziert die Einnahme von oralen Kontrazeptiva deutlich den Therapieeffekt bei Vorliegen einer Diskusverlagerung (Kiefergelenksstörung). Andere Studien fanden ein um 30% reduziertes CMD-Vorkommen bei schwangeren Frauen gegenüber einer gleichaltrigen Kontrollgruppe. Therapie: Schematischer Ablauf: Inspektion, Untersuchung und ggf. Beseitigung von Herden / Störfeldern in der gesamten Mundhöhle CMD - Grunduntersuchung mit orthopädischem und zahnmedizinischem Funktionsstatus Physiotherapuetische / Osteopathsiche Behandlung zur Beseitigung von funktionellen und myofaszialen Problemen Kontrolle der obigen Behandlungen; danach Bissnahmen, Abdrucknahme und Registrate Erneute Physiotherapuetische / Osteopathsiche Behandlung zur Beseitigung von funktionellen und myofaszialen Problemen Kontrolle der obigen Behandlungen; Eingliederung einer speziellen Aufbiss-Schiene nach Gelb (COPA: Cranio Orthopädische Positions Apparatur) Wiederholte Physiotherapuetische / Osteopathsiche Behandlung zur Beseitigung von funktionellen und myofaszialen Problemen Kontrolle der obigen Behandlungen; Kontrolle der Schiene ab jetzt nur noch Weiterbehandlung bei der Physiotherapie / Osteopathie; nur bei Bedarf Nachkorrektur der Aufbiss-Schiene Ziel: Absolute Beschwerdefreiheit und keinerlei Rezidive mehr innerhalb von 6 Monaten!
kompetent - professionell - ganzheitlich
Ganzheitliche Praxis für Endodontie und Umwelt-Zahnmedizin Dr. Ralf Günther